Im Vergleich zu den Beatles und den Rolling Stones brachte diese Gruppe eine aggressivere Variante des britischen Rocks auf die Bühne: The Who. Anfangs noch Teil der Mod-Bewegung am harten Ender der British Invasion, gilt die Gruppe heute als eine der bedeutendsten britischen Rockbands der 1960er und 1970er Jahre. Mittlerweile gehören The Who zu den einflussreichsten Rockbands der Geschichte. Sänger Roger Daltrey und Pete Townshend sind die einzigen verbliebenen Gründungsmitglieder. Die beiden stehen jedoch noch fest im Musikgeschäft und gehen regelmäßig auf Tour.

Die härtere Alternative zu den Beatles und den Rollings Stones

Gegründet wurden The Who 1959 von Roger Daltrey, Pete Townshend sowie Bassist John Entwistle. Ursprünglich nannte sich die Gruppe The Detours. Fünf Jahre später wechselte sie ihren Namen. Mit Keith Moon kam kurz darauf ein neuer Schlagzeuger ins Boot. Währenddessen änderte der PR-Manager Peter Meaden den Namen der Band zu The High Numbers. Der erste Song "I’m the Face / Zoot Suit" war ein Reinfall. Erst mit einem neuen Management ging es bergauf. Wieder unter den Namen The Who wurden die Medien auf die Band aufmerksam, die bei einem Fernsehauftritt ihre Instrumente zerstörten. Für ihren eigenen Stil prägten The Who bereits 1964 den Begriff Maximum R&B. Die Single "I Can’t Explain" landete 1965 auf Platz acht der britischen Charts, während es "Anyway, Anyhow, Anywhere" auf den zehnten Platz schaffte. Noch im selben Jahr erschien das erste Album "My Generation". Die enthaltenen Titel wurden zu einer Art Hymne für einen Großteil der englischen Jugendlichen. Zwei Jahre später folgte das Album "The Who Sell Out". Weil das Album weniger erfolgreich war und die Gruppe weiterhin teure Instrumente zerstörte, bekamen die Musiker schlussendlich finanzielle Probleme. Ein absoluter Verkaufserfolg wurde 1969 die Rockoper "Tommy". Aus dem Song wurde später ein Spielfilm, ein Ballett und ein Musical. Auch der Auftritt beim Woodstock-Festival 1969 kurbelte die Popularität von The Who weiter an. "Lifehouse" sollte der Nachfolger von "Tommy" werden. Weil die restlichen Bandmitglieder Townshends Idee eher skeptisch gegenübertraten, erlitt dieser einen Nervenzusammenbruch. Die Songs wurden daraufhin nach und nach als Singles, auf Alben oder auf Townshends Soloalben veröffentlicht. Dazu gehören die Titel "Won’t Get Fooled Again", "Behind Blue Eyes" und "Baba O’Riley", die bis heute auf fast jedem Konzert performt werden. Mit "Quadrophenia" kam 1973 eine weitere Rockoper auf den Markt, die den künstlerischen Höhepunkt von The Who markiert. Nach einer kreativen Pause erschien 1975 das Album "The Who by Numbers". Die LP "Who Are You" aus dem Jahr 1978 wurde der letzte große Kritiker-Erfolg und Klassiker der Gruppe. Im selben Jahr starb Drummer Keith Moon überraschend. Grund war eine Überdosis des Medikaments Heminevrin. Damit wurde sein hohe Alkoholkonsum behandelt. An seine Stelle trat Kenny Jones. Gleichzeitig übernahm John Bundrick die Rolle des Keyboarders. Während der Tournee 1979 kam es in Cincinnati zu einem tragischen Unglück: Elf Menschen wurde erdrückt, als sich zahlreiche Konzertbesucher durch wenige enge Gänge zu zwängen versuchte. Der nächste Vorfall lies nicht lange auf sich warten. 1981 starb Townshend fast an einer Überdosis. Zeitgleich erschien das Album "Face Dances". Die anstehende Tour musste allerdings auf Grund von Townshends Gesundheitszustand gekürzt werden. 1982 gaben The Who in Toronto ihr vorerst letztes Konzert. 1983 löste sich die Gruppe offiziell auf. Zum 20-jährigen Jubiläum von "Tommy" gingen Townshend, Daltrey und Entwistle noch einmal auf Tournee. Dabei traten sie mit Gastmusikern wie Simon Phillips als Schlagzeuger auf.  Nachdem The Who einige Zeit mit Big Band und orchestralem Sound getourten waren, kehrten sie 1999 zur kleineren Besetzung zurück. Nur drei Jahre später starb Entwistle überraschend in einem Hotelzimmer in Las Vegas. Sein Kokainkonsum hatte zu einem Herzinfarkt geführt. Die Tour wurde mit Ersatzmann Pino Palladino fortgesetzt. Unterstützung kam daneben von Simon Townshend. 2006 tourten The Who noch einmal um die Welt. Im selben Jahr folgte das erste neue Album seit 23 Jahren: "Endless Wire".

Vorbild und Stilpräger

Die Songs von The Who stammen für Gewöhnlich aus der Feder von Pete Townshend. Beeinflusst wurde er nach eigenen Angaben von Rocksongs wie "Rock Around the Clock". Weil er für die ersten Rockopern verantwortlich war, gilt er als bedeutender Pop-Komponist und Gitarrist. Unüblich für einen Gitarristen der 60er Jahre: Bei Townshend lassen sich wenige Blueseinflüsse erkennen. Sein eigener Stil wurde teils sogar vom Jimi Hendrix kopiert. Daltrey dagegen gilt asl Fan von Elvis Presley. Obwohl seine Stimme laut Kritikern nichts besonderes ist, sticht sie durch ihre Kraft und ihren verzierungslosen Vokalstil hervor. Vor allem wurden The Who dafür bekannt ihre Instrumente am Ende jedes Auftritts zu zerstörten. Über 3.000 Gitarren sollen auf das Konto von Townshend gehen. Mittlerweile lassen es die Musiker ruhiger angehend. Die letzte Gitarre fiel ihnen 2004 zum Opfer. 1976 landete die Gruppe im Guinness-Buch der Rekorde. Auf dem Charlton Football Ground hatten sie die bis dato lauteste Rockshow geliefert. Seit 1990 sind sie in der Rock and Roll Hall of Fame verewigt. In ihrer Anfangszeit galten The Who als Vorbild wichtiger Vertreter der Mod-Bewegung. Während sich zunächst noch Punk- und New-Wave-Bands an ihnen orientierten, griffen in den 90er Jahren vermehrt Britpopbands ihre Musik auf. "Tommy" hatte maßgeblichen Einfluss auf Rockmusicals und Konzeptalben. Viele Bands versuchten sich an den Stücken von The Who. Vor allem die Songs aus "My Generation" waren dafür sehr beliebt.