Ihre Songs provozieren, sie spalten Meinungen und werden kontrovers besprochen. Trotzdem oder gerade deshalb zählt diese deutsche Rockband zu den stilprägendsten, innovativsten und erfolgreichsten Bands, die Deutschland jemals hervorgebracht hat, so das Musikmagazin Metal Hammer: Rammstein. Musikalisch zählt die Gruppe zur Neuen Deutschen Härte. Gegründet wurde sie 1994 in Berlin. Aktuell gehören Till Lindemann als Sänger, Richard Kruspe, Paul Landers, Oliver Riedel, Christoph Doom Schneider und Christian Flake Lorenz zur Besetzung. Der Erfolg von Rammstein kann sich sehen lassen: Bis 2018 verkauften sie 20 Millionen Tonträger weltweit. Ihre Tourneen zählen international zu den erfolgreichsten Bühnenereignisse einer Musikgruppe, die deutsch singt.

Von 15 Zuschauern zu ausverkauften Konzerten weltweit

Jeder fängt einmal klein an. Auch bei Rammstein war das nicht anders. Den ersten richtigen Auftritt hatten die Musiker am 14. April 1994 als Vorband in der naTo, einer Kultureinrichtung in Leipzig, die für ihr alternatives Programm bekannt war. 15 Besucher waren dabei. Nicht einmal ein Jahr später waren Rammstein bei Motor Music unter Vertrag. Diese Zusammenarbeit hielt 17 Jahre. Das erste Album sollte nicht lange auf sich warten lassen. 1995 erschient "Herzeleid" und stieg auf Platz 99 der deutschen Albumcharts ein. Zwei Jahre später folgte "Sehnsucht". Im gleichen Jahr starteten Rammstein die erste Tour, die nicht nur durch Deutschland, sondern auch durch Europa führte. Seitdem landeten alle Studiolaben der Rockband in Österreich und Deutschland in der Spitze der Charts. Die Musiker gerieten im Laufe ihrer Karriere immer wieder in die Schlagzeilen. Wegen ihrer mehrdeutigen Texte und ihrem harten Stil wurden Rammstein mit dem Vorwurf konfrontiert, rechtsextremen Tendenzen zu folgen. Auch ihre Beziehung zur Gewalt führte häufig zu Kritik. Einige Songs der Band wurden geprüft, das Album "Liebe ist für alle da" sogar indiziert.

Kontroverse Texte und brachialer Stil

Wenn man über Vertreter der Neuen Deutschen Härte spricht, kommt man nicht um Rammstein herum. Ihren Stil beschreiben die Musiker selbst als brachial und zu Beginn ihrer Karriere als Tanzmetall. Hört man in die Songs hinein, entdeckt man verschiedene Stilrichtungen von Rock über Alternative Metal bis hin zu Technoelementen. Natürlich hat sich die Musik der Band über die Jahre auch gewandelt. Auf den jüngeren Alben sind auch Einflüsse weiterer Musikstile und exotische Instrumente zu hören. Nach eigenen Aussagen verwenden Rammstein für ihre Songs Teile von Liedern, die sie zuvor gehört hatten. Ein Beispiel: Das Grundgerüst für "Herzeleid" war "John" von Die Magdalene Keibel Combo. Nachgesagt wird der Rockband, dass sie sich von der slowenischen Gruppe Laibach und der Rockband Oomph! inspirieren lässt. Besonders für eine Band der frühen 90er aus Berlin: Rammstein wollen nach eigenen Aussagen keine US-amerikanische und englische Band imitieren. Prägend für den Stil ist ein demokratischer Entscheidungsprozess. Alle musikalischen Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Die Stimme jedes Mitgliedes zählt. Für Fans bedeutet das vor allem Geduld. Bis heute benötigen neue Projekte einen langen zeitlichen Vorlauf, denn selten sind sich die Musiker einig. Zur Veranschaulichung: Zwischen der Veröffentlichung des sechsten und siebten Albums liegen 10 Jahre.

Spiel mit dem Feuer

Die Bühnenshows von Rammstein sind ein Erlebnis für sich. Jeder Auftritt wird minutiös durchchoreografiert. Spielraum für Improvisation? Gleich Null. Grund dafür ist die Pyrotechnik, die zu jedem Auftritt der Band dazugehört. Sie ist für den hohen Bekanntheitsgrad der Rocker mitverantwortlich. Bereits zu Beginn ihrer Karriere wollten die Musiker nicht darauf verzichten. Nach eigenen Aussagen haben sie in schlecht besuchten Sälen Flammen erzeugt, indem Paul Landers vor Konzertbeginn heimlich Benzin im Publikumsraum verschüttet hat. Lindemann hat dieses nach dem ersten Lied angezündet.